Bevor es zurückgeht nach Arusha, machen wir heute noch einen besonderen Ausflug.
Wir besuchen das Naturvolk der Hadzabe. Die Hadzabe haben erst seit wenigen Jahren Kontakt zur Zivilisation und leben in der Nähe des Ngorogoro Krater ein Leben, wie wir es wohl in sehr geraumer Vorzeit geführt haben. Aktuell schätzt man, dass es noch 1.200 bis 1.500 von ihnen gibt. Sie besitzen keine Schriftsprache. Alle Erzählungen werden als Liedgut weiter gegeben. Sie sind Jäger und Sammler und jagen nach traditioneller Art mit Pfeil und Bogen. Dabei sind sie auch die Einzigen, die noch Großwild wie Elefanten aber auch Affen und Antilopen jagen dürfen. Daneben sammeln sie Früchte oder Wurzeln sowohl zum Essen aber auch für medizinische Zwecke. Im Sommer leben sie in gewissermaßen unter freiem Himmel, in der Regenzeit oft im Inneren der dort zahlreich wachsenden Baobab. Bekleidet sind sie mit Fellen der Tiere die sie erjagt haben. Wenn sie Besucher bekommen tragen sie jedoch mittlerweile auch Bekleidung, die offenbar auch aus deutschen Altkleidercontainern kommt. 😯

Geld oder Besitz ist ihnen fremd. Allenfalls tauschen sie Dinge wie Fleisch oder Zigaretten mit den benachbarten Volksgruppen.
Normalerweise gehen sie mit ihren Besuchern dann gemeinsam auf die Jagd. Das Programmpunkt haben wir aber bewusst ausgelassen. Ich muss ehrlich gestehen, für mich war das auch so schon alles ziemlich überwältigend. Ich kann nicht einmal sagen, ob das jetzt an den zum Teil doch sehr elendig aussehenden Hunden (sie gehen mit den Männern zusammen auf die Jagd und bekommen auch etwas von der Beute ab, allerdings werden sie darüber hinaus sich selbst überlassen),

den Knochen, Fellen oder frisch gejagten Tieren die herumlagen oder an den Bäumen hingen (oder gerade als Grillgut über offenen Feuer) oder der Gesamtsituation lag. Vielleicht bin ich auch einfach ein verweichlichtes Mimimi. 🫤 Aber die Vorstellung, dass Menschen noch so leben, überstieg jedenfalls meine mentalen Fähigkeiten. Zumal mir bis jetzt auch nicht wirklich klar ist, was der Mehrwert für die Hadzabe ist, dass sie den Besuchern ihre Welt zeigen. Dem Anschein nach, haben sie einfach Spaß und Abwechslung durch die Touristen (vermutlich vor allem bezüglich unserer schlechten Schießleistung. Ich hoffe sehr, dass das auch wirklich so ist. 🤔
Das alles erklärt uns ein Angehöriger des Stammes der Datooga. Dieses Naturvolk lebt unweit der Hadzabe und sind noch ca. 120.000 Individuen. Im Gegensatz zu den Hadzabe sind sie jedoch keine Jäger. Vieh halten sie ebenfalls keines (mehr). Das wurde ihnen nämlich ständig von den Maasai (zur Not mit Gewalt) weggenommen (tatsächlich noch bis in die 90iger Jahre), da die Maasai für sich beanspruchen, die einzigen Viehhirten sein zu dürfen. Sammeln hingegen tun auch sie. Und zwar alten Metallschrott, vom Wasserhahn bis zum Nagel. Aus diesem fertigen sie Schmuck aber eben auch die Pfeilspitzen für die Hadzabe. Diese tauschen sie gegen Fleisch mit den Hadzabe aus. Die Armreifen hingegen werden tatächlich gegen Bezahlung an die zahlreichen Touristen verkauft.
Fazit, das alles war unglaublich interessant aber nichts für zart besaitete Weicheier wie mich. 🫤